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Alt 20.04.2011, 12:06
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Kaufberatung Alfa Romeo
Spider & GTV 916


QUELLE: ALFISTI.NET

Einführung


Nach 27 Jahren Bauzeit verließ der letzte Alfa Romeo Spider im Jahre 1993 die Produktionsanlagen. In der Historie der Marke Alfa Romeo waren offene Sportwagen immer ein muss im Modellprogramm. Allerdings wurden die Alfisti 1994 auf ein harte Probe gestellt: Es war das Jahr ohne neu zu erwerbende Spider. Nachdem der Alfa GTV (Serie 116) schon 1987 aus dem Programm genommen wurde, war dies eine herbe Schlappe für die vielen Coupé- und Cabriofreunde der italienischen Marke mit der Schlange und dem Kreuz der Visconti im Logo. Aber zum Pariser Salon 1994 erhellten sich die Gesichter wieder – Der neue Alfa Spider und das Schwestermodell Alfa GTV, beide mit dem internen Werkskürzel 916 versehen, wurden der Öffentlichkeit vorgestellt.


Der Alfa Romeo Spider und GTV (Mitte) ab 03/1998

Hervorgerufen wurde das „Spiderlose Jahr“ durch das Nachsitzen der Alfa Fahrwerksentwickler, denn das Fahrverhalten der ersten Prototypen war es nicht würdig, zu einem Alfa Romeo zu gehören. Das Resultat ist die Multilenkhinterachse, die aufgrund des Fahrschemels platzraubend konstruiert ist. Das führt zu einem Kofferraum der spöttisch gerne als Kulturtasche bezeichnet wird. Dafür entschädigen die Alfa Spider / GTV aber mit einem erstklassigen Fahrverhalten.



Motorisierung



Beim Motorenangebot gibt es Unterschiede zwischen dem Spider und dem GTV. Die Basismotorisierung beim Spider war ursprünglich der 2.0 Liter 4 Zylinder Twinspark Motor, der Anfangs 150 PS leistete. Im Zuge der Euro III Emissionsumstellung zum Modelljahr 1999 wuchs die Leistung später um 5 PS auf 155 PS.

1998 wurde das Motorenangebot kurzfristig nach unten abgerundet. Der aus dem 145/146 und 156 bekannte 1.8 Liter Twin Spark Motor mit 144 PS fand seinen Einsatz im Spider. Er spielt allerdings auf dem Markt keine nennenswerte Rolle.

Als Topmotorisierung für den Alfa Spider diente bis zum Modelljahr 2001 der aus dem Alfa Romeo 164 bekannte V6 mit 12 Ventilen und 3 Litern Hubraum. Er hatte eine Nennleistung von 192 PS. Seit Herbst 2000 ist dieser Motor für den Spider nicht mehr erhältlich, er wurde durch den vom Alfa GTV bekannten V6 24V mit 220 PS abgelöst, der heute „nur“ noch 218 PS leistet.

Beim Basistriebwerk des Alfa GTV handelte es sich ebenfalls zunächst um den 2.0 Liter Twin Spark mit 16 Ventilen und 150 PS, Als Top Motorisierung wurde Alfa GTV der 2.0 V6 TB Turbomotor mit 12 Ventilen, und 202 PS angeboten. Ab 1997 wurde darüber hinaus auch der 3.0 V6 24 V mit 220 PS und 6-Gang Getriebe für den Alfa GTV (ab 3/98) nachgeschoben.

Der 2.0 V6 Turbo wurde zum Modelljahr 2001 aus dem Programm genommen, da er die strengeren Euro III Emissionen ohne vertretbaren Aufwand nicht mehr schaffte und sich seine Nachfrage – auch in Italien – in Grenzen hielt.

Zusammen mit dem umfangreichen Facelift im Mai 2003 wurden auch 2 neue Motoren mit in das Programm aufgenommen. Zum einen handelt es sich um den Benzindirekteinspritzer 2.0 JTS mit 165 PS, zum anderen um den aus dem Alfa 156/147 GTA bekannten 3.2 Liter V6 24 V mit einer um 10 PS auf 240 PS gedrosselten Leistung.





3.2 V6 24V Motor





Karosserie



Die extrem keilförmige, von Pininfarina gezeichnete Karosserie sieht auch im neuen Jahrhundert klassisch und zeitlos aus. Die zwei punktförmigen Projektionsscheinwerfer, die übrigens trotz Ihrer Kompaktheit ein exzellentes Fahrlicht abgeben, bilden, entgegen dem ersten Blick, eine Einheit. Sie begeben sich elegant unter der großen Motorhaube, die zugleich auch Teile der Kotflügel bildet.


Alfa Romeo GTV V6 24V vor 03/1998

Die gesamte Außenhaut der Front besteht aus Kunststoff. Die Motorhaube besteht aus dem Verbundwerkstoff KMC, bei dem die Außenhaut aus Polyester- Glasfibergemisch mit einem inneren Kunststoffskelett auf chemischen Weg verschweißt wird. Der Vorteil liegt zum einen in der dadurch erzielten Gewichtsersparnis, zum anderen an der höheren Festigkeit. Auch die Furcht vor Steinschlägen ist nicht mehr so bedeutungsvoll, da dieses Material nicht rostet.

Das gilt auch für die gesamte Karosserie. Alfa Romeo hat aus den Sünden der Vergangenheit gelernt und alle relevanten Blechteile verzinkt, so dass der Rost beim Alfa Spider und Alfa GTV keine Chance hat. Gelegentlich findet sich allerdings Kantenrost am Unterboden, der einer schnellen Behandlung vorausgesetzt – ungefährlich ist.

Die Bodengruppe ist als solches ist kein Ausbund an Steifigkeit. Vor allem bei Alfa Spider vernimmt man bei dem Überfahren von Unebenheiten ein Zittern der Karosserie, das bis ins Lenkrad vordringt. Deutliche Linderung schafft eine Domstrebe, von Herstellern wie Zender oder Wiechers. Vor allem bei langgezogenen Autobahnkurven und auf unebener Fahrbahn macht sich Versteifung durch die Domstrebe stark bemerkbar, da die Verwindungen des Vorderbaus deutlich reduziert werden. Das gilt insbesondere auch für den Alfa Spider.

Da der Spider/GTV in Kleinserie hergestellt werden, muss man insbesondere bei den Spaltmaßen und dem Ebenenversatz Abstriche machen. Auf die Funktion haben diese kleinen Schönheitsmängel allerdings keine Auswirkungen.

Ein Schwachpunkt der Karosserie ist die mäßige Rundumsicht. Vorne schaut man durch einen engen Schlitz, das hintere Ende ist besonders beim Einparken so gut wie nicht zu erkennen und nur zu erahnen. Das Platzangebot ist für 2 Personen durchaus ausreichend; vor allem wenn beim Spider die Ablage hinter den Sitzen und beim GTV die Notsitze als Gepäckaufbewahrungsraum dienen. Ab dem Mai 1998 wuchs auch das Kofferraumvolumen der beiden Modelle durch verzicht des Notrades von 110 Litern auf 147 Litern. Statt des Notrades ist nun ein Reifenkit an Bord.

Personen mit einer Größe über 1.80 Meter sollten beim Alfa GTV Abstand von dem elektrischen Schiebedach Abstand nehmen, da dieses die Kopffreiheit extrem einschränkt.



Modellpflege



Im Mai 1998 erhielten der Alfa Spider und Alfa GTV ein leichtes Facelift. Zu erkennen ist dies am Chromherz im Kühlergrill, das auch bei den älteren Modellen problemlos für EUR 75.- nachgerüstet werden kann. Das Cockpit wurde leicht modifiziert, die klassischen „Eisbecher-Formen“ des Tachometers und des Drehzahlmessers erhielten nun Chromumrandungen, die allerdings aus Kunststoff bestehen. Die Mittelkonsole wurde ebenfalls modifiziert, auch sie trägt nun „verchromten“ Kunststoff. Zudem gab es nun in der L Version (für „Lusso“, also Luxus) auch auf Wunsch eine Klimaautomatik. Ebenfalls lieferbar waren die beiden Optikpakete „Red-Style“ und „Blue-Style“, bei denen das Armaturenbrett, die Türverkleidungen und die Sitze einheitlich je in Rot oder Blau abgestimmt sind. Ferner sind seitdem die Seitenschweller und die unteren Ränder der Front- und Heckschürze in Wagenfarbe lackiert. Darüber hinaus hat sich auch die Sitzposition geändert, da die Vordersitze nun etwas höher sind als zuvor. Das geht insbesondere bei großgewachsene auf Kosten der Kopffreiheit. Jedoch ist es möglich, die Sitzhöhe durch andere Schrauben wieder zu reduzieren.




Cockpt nach dem Facelift 03/1998

Seit September 1996 sind gegen Aufpreis auch die Ledersitze von Momo erhältlich, die durch eine hohe Qualität begeistern. Im Programm sind die Farben Schwarz, Rot, Beige und Grau sind. Ein Schwachpunkt dieser Sitze, ist die tendenzielle Neigung zu knarzen, was sich besonders bei kühleren Außentemperaturen bemerkbar macht. Zwar wurden auch schon vor dem Herbst 1996 Ledersitze angeboten, allerdings waren diese nur in Schwarz erhältlich und sind nicht ganz so schön wie die von Momo.



Innenraum in Red-Style

Im Mai 2003 hat Alfa Romeo den GTV und den Spider erneut aufgefrischt. Geändert wurde insbesondere das Frontdesign mit einer neuen Motorhaube sowie Stoßstange die nun das größere, nach unten gezogene, Scudetto beherbergt.



GTV mit Facellift 2003

Kleinere Änderungen fanden auch im Interieur statt. Die Sitzposition wurde niedriger gehalten, das Cockpit und die Schalter erhielten ein rotes statt grünes Nachtdesign. Die Tachoskala reicht nun bis optimistische 280 km/h und die Schalter für die Nebelscheinwerfer-/Schlussleuchte wanderten auf die Mittelkonsole vor dem Handbremshebel. Die beiden neuen Triebwerke, der 2 Liter Benzindirekteinspritzer JTS sowie der 3.2 V6 24V verfügen beide serienmäßig über eine abschaltbare Traktionskontrolle.

Als klassische Schwachstellen müssen die Fenstergummis bei der 916er Baureihe gelten. Tropft es in den Innenraum oder sind Windgeräusche vorhanden, so liegt das an den verschiedenen Fenstergummis, die nicht satt anliegen. Allerdings können sie mit wenig Aufwand und etwas Schaumstoff wieder in Passung gebracht werden können. Ist dies richtig gemacht worden, so ist vor allem der Alfa GTV - trotz der rahmenlosen Seitenscheiben - ein sehr leises Auto.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die nicht korrekte Justierung der vorderen Seitenscheiben. Liegen die Scheiben nicht korrekt an den Fenstergummis an, so werden diese auf Dauer beschädigt und Windgeräusche oder Wassereinbruch sind die Folge. Die vorderen Seitenscheiben können aber justiert werden um dieses Manko zu beseitigen.

Das Verdeck des Alfa Spider gilt grundsätzlich als solide. Lediglich die Gummidichtungen können die Freude ein wenig trüben, wenn sie nicht richtig justiert oder eingerissen sind. Folge ist Wassereinbruch im Innenraum. Die Heckscheibe des Verdecks ist ebenso auf Beschädigungen zu prüfen. Unvorsichtiges herunterlassen des Verdecks, bei dem die Heckscheibe falten wirft - insbesondere bei niedrigen Außentemperaturen - kann die Heckscheibe mit Rissen quittieren. Der Austausch der Heckscheibe, die es übrigens einzeln als Alfa Ersatzteil gibt, kostet ohne Montage knapp EUR 560.-. Daher sollte vor dem Absenken des Verdecks die Heckscheibe etwas auf Temperatur gebracht werden - am besten mit Sonnenstrahlen!
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Saluti Spiderillo
www.quadrifoglio.ch

Lieber Hubraum statt Kofferraum!

Geändert von Spiderillo (20.04.2011 um 12:14 Uhr).
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